Vancouver Island (BRITISH COLUMBIA, CANADA)
»Aufhören, wenns am schönsten ist!« Unter diesem Motto steht bekanntlich mein letzter großer Schritt
(siehe hier
). Voraussetzung um ihn gehen zu können - und zu wollen - ist allerdings, dass auch die Location eine »besonders schöne« ist!
East Arm der Bonne Bay im Gros Morne N.P. |
Kam der Osten Canadas (Neufundland
bzw. Labrador
) dieser Vorstellung schon recht nahe, so ließen es die weiteren Destinationen gehörig an Faszination fehlen. Nicht, dass es keine wunderschönen Landschaften zu bestaunen gab … aber die Menschen in den Vereinigten Staaten … nun ja, breiten wir gnädig den Mantel des Schweigens darüber! Also nach einer netten, aber doch recht ereignisfreien Überwinterung auf der Baja California (siehe vorangehender Bildbericht) wieder hinauf nach Canada! Diesmal in den Westen! Das ist ja mit Abstand der interessanteste Teil dieses unwahrscheinlich großen Landes! Ihr wisst schon: Rocky Mountains, Banff, Jasper, Icefield Parkway und was da an Sehenswertem noch so geboten wird.
Der Peyto Lake am Bow River Pass |
Zum einen hatte ich diese Regionen bereits vor zehn Jahren abgegrast (
siehe hier
), zum anderen fahre ich gewöhnlich nicht zweimal an den gleichen Ort - besonders dann nicht, wenn ich ihn auf der inneren Landkarte als »besonders schön« markiert habe. Auch von den übrigen 08/15-highlights wollte ich mich diesmal bewusst fernhalten - zumal das »Hinterland« der Rockies mindestens ebenso attraktiv - und nicht halb so überlaufen ist. Gerade jetzt, wo nicht nur die Canadier allesamt Urlaub machen, sondern auch in Deutschland die Ferien begonnen haben und die fahrbaren Joghurtbecher von »CanaDream«, »CruiseCanada« oder »800-RV-RENT« die Camping- und Parkplätze überschwemmen. [1]
Herzlich Willkommen im Supermarkt |
Zurück also nach Osoyoos an den Grenzübergang zu den USA. Hatten mich die US-Grenzer bei der Einreise in Mexicali viereinhalb Stunden lang genervt, so ist bei der Einreise nach Canada in zwei Minuten alles erledigt - inklusive interessiertem Schwätzchen, wo man denn so etwas wie die Lady Grey erwerben kann (der Grenzer hat selber ein 4WD-Camper und möchte sich vergrößern). Vom ersten Moment an fühle ich mich willkommen! Wie um diesen Eindruck zu unterstreichen, werde ich im ersten Supermarkt mit einem bunten Strauß Blumen begrüßt. Nicht nur einem, sondern Dutzenden!
Okanagan Highlands
Der mächtige Columbia River … |
Gelandet bin ich - mehr durch Zufall [2] - in einer der schönsten Ecken British Columbias (BC), in den Okanagan Highlands, einem Vorgebirge der Rockies. Und so, wie das bayerische Voralpenland mit Dutzenden von Seen gesprenkelt ist, so sind es hier hunderte, um nicht zu sagen »unzählige«. Ein Blick auf die Karte genügt, um zu sehen, wie sich ein See an den anderen reiht: teilweise Stauseen, die den mächtigen Columbia River regulieren und 90% des Stroms für British Columbia produzieren, zum überwiegenden Teil jedoch natürliche, langgestreckte Seen, die die zahlreichen Flüsse immer wieder bilden.
Ansprechende Kennzeichen in B.C. |
Zum einen werden diese gespeist von den Gletschern der Rockies im Osten (bis 3954m, Mt.Robson), zum anderen von den Regenfällen, die vom Pazifik (Westen) heranziehen und hier einen einzigartigen »kalten Regenwald« gedeihen lassen. Neben der eigentlichen Pazifikküste (»Coastal Mountains« mit mehr als 2.500mm pro Jahr) gibt es hier die meisten Niederschläge Canadas (bis 1.800mm pro Jahr; zum Vergleich München: ca.800mm pro Jahr). Die meisten Niederschläge fallen jedoch im Winter, sodass der Sommer-Touri weitgehend verschont bleibt. Eine Regenjacke ist trotzdem eine gute Idee!
Auch dazu kann Holz dienen … |
Und was wächst in diesem »kalten Regenwald«? Neben ein paar Moosen und Flechten in erster Linie: Geld! Geld in Form von Holz, von schnurgerade gewachsenen »pine trees«, die zum Teil von gewaltigen Buschfeuern vernichtet, zum weitaus größeren Teil jedoch auf Sattelschleppern weggekarrt werden, um irgendwo auf der Welt als »Loghouse«, Bretterbündel oder Zahnstocher zu enden. Tatsächlich sind in diesem Teil von BC die meisten Orte rund um Holzverarbeitungsbetriebe entstanden. Und Straßen gibts auch nur dort, wo das Holz abtransportiert werden muss! Mit Abstand ist der Regenwald hier Arbeitgeber Nummer Eins!
Häufig sind diese Kollegen im Einsatz … |
In den menschenleeren Weiten … |
Längst nicht das größte Haus am Platz … |
Die S.S.Moyie, der älteste »Sternwheeler« |
Wow, ist das schön hier!
Auf gut ausgebauten Straßen, teilweise auch auf schmalen, ungeteerten »Forest Roads« gehts von einem Flusstal ins nächste, von einem See zum nächsten, von einem highlight zum nächsten. Es ist einfach toll hier! Wie oft mir der Satz »Wow, ist das schön!« über die Lippen kam, kann ich gar nicht mehr sagen - ich hätte Strichliste führen müssen! [3] Einige dieser Wow-Momente findet ihr hier:
»Strandpromenade« am Kootenay Lake … |
Einladender Nachtplatz am Shugar Lake |
Am Lardeau River führt die Piste hinauf … |
Wasserscheide zwischen Lardeau und Columbia River … |
Ich denke, nein, ich bin mir ziemlich sicher: für meinen letzten Schritt habe ich mir tatsächlich eine Gegend ausgesucht, die das Prädikat »besonders schön« verdient hat, wenn nicht zu den schönsten der Welt gezählt werden darf. Aber: es soll ja noch einen Tick besser kommen …
Columbia Mountains
Am Trans Canada Highway (»TCH«) führt auch in diesen Breiten kein Weg vorbei.
Bei Revelstoke ist er erreicht und bildet einen haarsträubenden Gegensatz zu den übrigen highways: es ist Samstag, der erste Ferientag und vor dem kleinen Städtchen - mit einer Ampel - stauen sich Trucks, WoMos, Gespanne und schwerbeladene PKWs über Dutzende von Kilometern. Offenbar sind die Canadier ebenso beratungsresistent wie die Deutschen, wenn es um den Beginn ihrer Ferien geht!
Das erinnerungsträchtigste an Revelstoke ist allerdings nicht die rote Ampel, sondern der samstägliche »Farmers Market«, auf dem es - neben vielen lokalen Spezialitäten - deutsches Brot zu kaufen gibt! Hmmmmh, lecker!
Am Sonntag kann ich den »TCH« dann endlich queren, um weiter in den Norden vorzustoßen: in die Monashee Mountains. Sonderlich unterscheiden sie sich nicht von den übrigen Gebirgsketten: oben tannengrün, unten stauseeblau. Der gebändigte Strom ist diesmal der Columbia River, der wohl mächtigste im Nordwesten Amerikas (entspringt am Mt.Robson, dem höchsten Berg der Rockies und mündet bei Portland (USA) in den Pazifik). Seit den 1960-er Jahren wird er über ein Dutzend Staustufen reguliert, um (a) die Wassermengen des Frühjahrs zu bändigen (Schneeschmelze) und (b) regenerativen Strom zu erzeugen: Vancouver, Seattle und Portland zählen zu den am dichtesten besiedelten und energiehungrigsten Gebieten der USA bzw. Canadas.
Den »Secwépemc« ist Weisheit zueigen … |
Dass mit den Staustufen auch den riesigen Lachsschwärmen der Heimweg zu ihren Laichgründen verbaut wurde, erfährt man allerdings erst auf Nachfrage! Den Stämmen der First-Nations, die zum großen Teil von eben diesem Fischfang leben - bzw. gelebt haben - wurden nur winzige Entschädigungen bezahlt. Mittlerweile züchten sie residente Lachse (solche, die nicht wandern müssen) in riesigen Brutfarmen inmitten der Stauseen. Ob deren Filets noch genauso lecker munden wie die der richtigen Lachse, kann ich nicht beurteilen.
Wenn die Lachse kommen ist es hier nicht mehr so leer … |
Ein anderer Fluss ist allerdings nicht von dieser Kraftwerks-Wut betroffen: der Adams River, nur einen Bergrücken weiter westlich. Hier dürfen die Lachse noch ungestört wandern, werden in ihrem Aufstieg an einer besonders reißenden Stromschnelle sogar durch eine Fischtreppe unterstützt, um weiter oben zu laichen.
Jahrtausendelang haben hier die »Secwépemc« gefischt. |
Mit dem Lebenslauf dieser »Sockeye« genannten Lachse kann man sich am sogenannten »Salmon Arm« vertraut machen: sie werden ca. 3½ Jahre alt und verbringen davon 2½ Jahre im Golf von Alaska, um sich dort satt zu fressen; allein der Aufstieg vom Pazifik über den Fraser- und den Adams-River dauert ca. drei Monate; beachtlich ist ferner, wie sich die Fische an den Lebensraum (Salz-/Süßwasser) anpassen können … und wie sie zu Ihrem Geburtsort zurückfinden (teilweise auf den Meter genau); man nimmt an, dass dies über spezielle olfaktorische Zellen passiert; ihre leuchtend rote Farbe nehmen sie übrigens erst kurz vor dem Laichen an. Hochinteressant, auch wenn die Lachse selber gerade auf Pazifik-Urlaub sind.
Wells Gray Provincial Park
Der Wells Gray Provincial Park |
Folgt man dem Yellowhead Highway einige Kilometer nach Norden, landet man in Clearwater, einer Dreihundert-Seelen-Gemeinde sowie Eingangstor zu einem der größten (5.400 km²) und spektakulärsten Parks in British Columbia: dem Wells Gray Provincial Park.
Der (südliche) Weg zu den Helmcken Falls ist canada-typisch … |
Nicht nur, dass es weder WiFi noch Telefon gibt - das allein wäre Grund genug, hier ein, zwei Wochen auszuspannen - sondern auch der vulkanische Ursprung der Region ist so deutlich zu sehen wie kaum anderswo. Dass die Rocky Mountains, aber auch die »Coastal Mountains« dadurch entstanden sind, dass sich die (pazifische) San-Juan-Platte unter das nordamerikanische Schild schiebt, wissen wir ja längst. Auf der Inlandseite dieser »Coastal Mountains« tun sich dabei Brüche und Spalten auf, die enorme Ausmaße annehmen können, weiter im Süden ist die »San-Andreas-Verwerfung« wohl das bekannteste Beispiel.
Auch hier im Norden hat die Plattentektonik bizarre Landschaften erschaffen, die nur deshalb nicht auf den ersten Blick
erkennbar sind, weil sie vom immergrünen »kalten« Regenwald überwuchert werden. Aber hunderte Meter tiefe, senkrechte Abbrüche, sechseckige Basaltsäulen und Lavafields findet man auch hier! Daneben zwei Dutzend gischtsprühende Wasserfälle, die selbst die Niagarafälle vor Neid erblassen lassen!
Der Helmcken Falls ist der höchste dieser Wasserfälle - mit 141m beinahe dreimal so hoch wie die Niagarafälle! Gerade jetzt im Frühsommer donnert eine beachtliche Wassermenge über die Kante und hüllt den Talkessel in kalte Gischt. Benannt wurden sie nach einem deutschstämmigen Arzt, der hier draußen für die Hudson's Bay Company tätig war, aber den Fall selbst nie zu Gesicht bekommen hat. Am einfachsten erkundet man ihn von der Nordseite her: dort führt eine gute Straße bis zum Aussichtspunkt. Viel interessanter ist jedoch die Wanderung entlang des Südufers, wo man den Wassermassen des Murtle River zum Greifen nahe kommt. Der Blick in den felsigen Talkessel ist allerdings nur etwas für Schwindelfreie.
Carriboo Highlands
Der Rücksturz in die Zivilisation ist danach um so heftiger; nur durch einen Schlenker über den Lake Latremouille, den Kelly Lake und ein paar Forestroads kann ich ihn noch ein paar Tage hinauszögern. Aber spätestens bei Lillooet ist der große Touri-Highway (#99) von Vancouver nach Jasper wieder erreicht. Und damit die Region des Massentourismus - der selbst hier in den Weiten Canadas nicht zu übersehen ist! Verglichen mit Venedig ist es immer noch einsam, aber eben doch meilenweit entfernt von Ruhe und Einsamkeit!
Nachtplatz am 'Lake Latremouille' |
Camping in Canada ist durchaus reglementiert |
Für wenige Dollar wird alles geboten … |
Kurzer Abstecher vom 'Yellowhead Hwy.' |
Erstaunlich, wie wenig scheu die Tiere sind |
Die Verwandten unserer Steinböcke … |
Der 'Painted Chasm', ein markantes Seitental |
Die Canadier wissen zu leben und zu wohnen! |
Die 'Chilkotian Mountains' nahe 'Lillooet' |
Whistler
Trotz Olympiaflair ist Whistler eine nette - wenn auch sehr touristische Kleinstadt |
In Whistler ist die sogenannte Zivilisation endgültig erreicht! Fünf Parkplätze - jeder groß wie zwei Fußballfelder, mitsamt hungriger Parkuhren - sorgen dafür, dass die Besucher ihre fahrbaren Untersätze ordentlich abstellen können. Denn die City selber ist Fußgängerzone - welch geniale Idee! Dass hier die Winterspiele in 2002 ausgetragen wurden, erkennt man spätestens am Olympia Square, dem Zentrum des unterm Strich doch recht netten Städtchens. Dazu tragen auch jede Menge Brücken über künstlich angelegte Gebirgsbäche und Kleinst-Stauseen mitsamt immergrüner Bepflanzung bei.
Der Stadtpark von Whistler … |
Neben zwei Dutzend Touranbietern, Hotels, Sportgeschäften und hochpreisigen Restaurants gibt es allerdings wenig zu entdecken: eine Retortenstadt ähnlich Chamonix oder Val de Tigne, gewürzt jedoch mit einem gehörigen Schuss canadischem Flair - und das lohnt dann doch wieder einen kurzen Zwischenstopp!
Das wirkliche highlight bilden aber nicht die Fußgängerzone, die fünf Bergbahnen (bis auf 2200m) oder das Hotel Fairmount Chateau Whistler (mit Zimmerpreisen ab 500USD), sondern das kleine, aber feine, einem Versammlungshaus nachempfundene Museum der indigenen Stämme, die hier seit mehreren tausend Jahren beheimatet sind: das Skwxwú7mesh und Lílwat7úl Cultural Center. Bevor ihr einen Knoten in die Zunge bekommt: in unserer Schreibe klingt das gar nicht mehr so fremd: Squamish und Lillooet.
Skwxwú7mesh und Lílwat7úl Museum |
Ausstellungsstücke im Museum |
Ausstellungsstücke im Museum |
Ausstellungsstücke im Museum |
Squamish
Squamish hat von allem etwas zu bieten: |
Squamish heißt folgerichtig auch die nächste Stadt am sogenannten Sea to Sky Corridor, der sich wie ein enger werdender Trichter vom breiten Howe Sound (vor den Toren Vancouvers) bis zu den Bergen der Lillooet Range (1800m) erstreckt. Der Name ist also so unpassend nicht gewählt. Schon zu Zeiten des großen Goldrausches (ab ca.1858) bildete er das wegsamste Einfallstor für die Glücksritter; später folgten die Goldgräber der Neuzeit, die Holzfäller und Holzverarbeitungsbetriebe, an denen auch heute kein Weg vorbeiführt. Auch Squamish am Ende der Eisenbahnlinie kann natürlich mit einem weitläufigen Verladehafen aufwarten!
Zumindest die Murals sind wertvoll …… |
Ebenso aber auch mit viel, viel Kunst: fast die Hälfte der Hauswände in der City sind mit farbenprächtigen Murals verziert und beinahe täglich kommen neue hinzu. Daneben Holzschnitzereien und jede Menge Musik - nicht nur am Culture Day der indigenen Stämme.
Die Hauptattraktion ist und bleibt jedoch der Stawamus Chief, eine 610m hohe Feldwand, die man wahlweise am Seil kletternd, auf steilen Pfaden wandernd oder bequem mit der Seilbahn erklimmen kann. Aussicht bis hinunter nach Vancouver garantiert - sofern das Wetter mitspielt!
In Squamish findet ein kleines Festival statt |
Gemütlichkeit á la Squamish … |
Die Stadtverwaltung gibt sich viel Mühe |
Kunst gibts heute an jeder Straßenecke |
Millionenstädte sind bekanntlich nicht mein Ding, Vancouver City bildet da keine Ausnahme, obwohl sie seit Jahrzehnten das Ranking der lebenswertesten Städte dieser Welt anführt (noch weit vor München oder New York!). Folglich bildet Squamish auch gleich mein Sprungbrett zur Fähre nach Vancouver Island: mein letztes großes Ziel.
Vancouver Island I
Auf dem Friedhof von Parksville … |
Der erste Besuch geht allerdings mächtig in die Hose. Zu verdanken habe ich das einer Frau, der ich mein Vertrauen schenke - heute weiß ich: zu Unrecht. Vielleicht hat sie es aber auch nur gut gemeint - wer weiß? Jedenfalls werde ich nach dem Gespräch mit ihr - ich hatte mich über »Green Burials« und Modalitäten nach einem Sterbefall erkundigt - zur R.C.M.P., der canadischen Polizei zitiert, wo ich meine Pläne - und vermutlich auch meine mentale Verfassung - offenlegen muss. Wütend und traurig - vielleicht auch etwas überhastet - nehme ich danach Reißaus. All die schönen Pläne von wegen »Aufhören, wenn's - und wo's - am schönsten ist«: alles nur noch Makulatur!
Whalewatching inklusive: Fähre nach Vancouver Island |
Wie anderswo
beschrieben, ist ein »Green Burial« meine erste Wahl bezüglich »Recycling«. Auch in Canada ist das an vielen Orten noch nicht möglich, in Parksville an der Ostküste von Vancouver Island bietet sich jedoch eine Möglichkeit: auf dem Yates Memorial Field (privater Friedhof). Das muss ich mir natürlich ansehen, weshalb ich ein Treffen mit Heaven arrangiere. Ja, so heißt die Frau tatsächlich! Natürlich kommt die Sprache auf die Umstände und den Zeitrahmen der Beisetzung und ich mache ein paar vage Andeutungen zum geplanten 'Aufhören', die sie wohl etws überinterpretiert.
RCMP'ler bei der Ausbildung … |
Jedenfalls finde ich am folgenden Morgen eine Vorladung der R.C.M.P. im Postkorb, der canadischen Polizei, die auch mit viel Rumdruckserei nicht abzuwenden ist. "Jemand hätte Angst um mich und die R.C.M.P. müsse sicherstellen, dass es mir gut geht!" wird mir dort erklärt. Wer dieser Jemand ist, kann ich an zwei Fingern abzählen! Zum Glück kann ich die Sheriffs überzeugen, dass alles nur Schwindel war und ich durchaus noch ein paar Jahre durch die Welt reisen möchte - was wiederum der eigentliche Schwindel ist! Für die Polizei ist die Sache damit erledigt, doch auch das tolle Resort, das ich für meine letzten Tage auserkoren hatte, war sicherheitshalber informiert worden. Na toll!, denke ich mir, wie werden die wohl einen möglichen Troublemaker empfangen?
Dieser Ausblick ist schwer zu toppen … |
Wahrscheinlich habe ich danach ein wenig überreagiert, aber es dauert keine Stunde, bis das Resort storniert - und die schönste Location zum Aufhören Schnee von gestern ist. Mit einem Schlag wird Vancouver Island zum roten Tuch - ein hellrosa Fetzen war es ja schon vorher gewesen, der unzähligen Touristen wegen: sooo schlimm hatte ich mir das nicht vorgestellt!
Also nix wie die Sieben-Meilen-Stiefel wieder geschnürt und weg aus diesem Trubel … aus diesem Trubel voller Verräterinnen und Denunzianten! Wie hatte ich mir nur einbilden können, dass man hier - gerade hier in dem wohl einzigen Land, in dem das Wohlergehen der Mitmenschen an alleroberster Stelle steht - einen Suizidaspiranten einfach gewähren lässt. Jedenfalls werde ich meine Pläne künftig wieder als »geheime Verschlusssache« handhaben müssen! Schade!
Erst zurück in vertrauten Squamish bin ich wieder soweit abgekühlt, dass ich neue Pläne schmieden und an etwas anderes denken kann - an die bunten Seiten des Lebens zum Beispiel …
Pride Parade Vancouver 2025
Über die Pride Parade muss ich nicht viele Worte verlieren: das Schaufenster der queeren Community. Erkennungszeichen? Bunt, vielfarbig wie der Regenbogen. Und 'bunt' kommt einfach in Worten schlecht rüber - lassen wir daher die Bilder sprechen …
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Anzumerken bleibt, wie viele Menschen bei dem prächtigen Umzugswetter auf der Straße sind (die halbe Innenstadt ist gesperrt, die Afterparty belegt einen ganzen Bezirk), dass jede Firma, die auf sich hält, mit einer eigenen Gruppe vertreten ist (gibt's hier wirklich so viele Queerios?) … und welches Ansehen die Community auch in politischen Kreisen besitzt - Canada steht da in erfreulichem Gegensatz zu seinem südlichen Nachbarn! [4] Der OB schüttelt vielen Zuschauern die Hand … und scheint - zumindest bei diesen aufgeschlossenen Menschen - ausgesprochen beliebt zu sein.
Am Canada Place |
Zur gleichen Zeit findet nicht weit vom Canada Place entfernt die angeblich größte
Cosplay Convention außerhalb Japans statt. Dabei schlüpfen hunderte junge Leute - beileibe nicht nur Japanerinnen und Japaner - in originelle und ebenso aufwändige Kostüme, um die Geschichten ihrer Helden aus den japanischen Mangas nachzuspielen: fantasievolle, detailreich gezeichnete und oft sehr umfangreiche Comics. [Beschreibung
] Die besten Performances und die originalgetreuesten Kostüme werden prämiert - und das offenbar nicht zu knapp. Schon wieder Überstunden für die Linse!
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Impressionen … |
Vancouver Island II
Sonnenuntergang an der Westküste |
"Second best is not good enough!" bete ich mir immer wieder vor. Obwohl es im restlichen BC hunderte Orte gibt, die es in Punkto Schönheit mit der Westküste Vancouver Islands aufnehmen können, will ich so kurz vor dem Ziel nicht noch einmal kehrt machen, um mich irgendwo im Landesinneren mit dem Second Best zufrieden zu geben. Ganz abgesehen von fünfhundert oder tausend zusätzlichen Kilometern, ganz abgesehen davon, dass die Abwicklung dort um einige komplizierter werden dürfte!
Also: zweiter Anlauf auf Vancouver Island! Inzwischen sollte genügend Gras über die Sache gewachsen sein, sodass ich nicht an jeder Straßenecke mit der R.C.M.P. rechnen muss. Um das wunderschöne - aber vorgewarnte - Resort werde ich allerdings einen großen Bogen machen. An der wilden Westküste der Insel gibt es aber sicher noch mehr tolle Fleckchen, die zum Aufhören einladen!
Pacific Rim Marine Park … |
Damit möchte ich diesen Blog schließen. Was noch bleibt, ist Danke zu sagen: Danke also für fünfzehn Jahre Treue
und Interesse an dieser Webseite ... und Danke für eure unzähligen Kommentare!
Lebt wohl!
Euer Klaus-Peter
Ach ja, einen allerletzten Wunsch hätte ich noch:
Tragt euren Teil dazu bei,
diesen wunderschönen Planeten zu erhalten,
damit eure Kinder und Enkel eine Welt erben,
in der Reisen wieder Freude macht!











